ZWEI MINUTEN STILLSTAND
von Yael Bartana
Köln, 28. Juni 2013, 11:00 Uhr

26 April 2013

Eine Auftragsarbeit der Impulse Theater Biennale 2013

Die Stadt steht still. Menschen erheben sich, halten inne, schweigen. Der Unterricht in Schulen und Universitäten wird unterbrochen, die Ladenbesitzerin hält im Verkauf inne, in der Fabrik stehen die Bänder.

Die Künstlerin Yael Bartana ruft alle Kölnerinnen und Kölner dazu auf, am 28. Juni 2013 um 11 Uhr ihren Alltag für zwei Minuten symbolisch zu unterbrechen. Halt an und denke!

Inspiriert vom israelischen Gedenktag Jom haSho’a, dem Feiertag zum Gedenken der Opfer und Widerstandskämpfer des Holocaust, ist „Zwei Minuten Stillstand“ ein politischer Akt, eine soziale Skulptur und kollektive Performance im öffentlichen Raum der Stadt Köln, die aktiv in das Projekt einbezogen ist, das vom Kölner Oberbürgermeister Roters ideell unterstützt wird.

„Zwei Minuten Stillstand“ fordert uns dazu auf, die Gegenwart zu reflektieren. Anzuhalten, über die Geschichte nachzudenken und über unsere Zukunft. Darüber, was es heute bedeutet, deutsch zu sein, als Immigrant in Deutschland zu leben, welche Konsequenzen der Holocaust ebenso wie seine Instrumentalisierung heute haben.
Denn „Drittes Reich“ und Holocaust sind nicht nur historische Ereignisse – sie erzeugten auch langfristige globale Kettenreaktionen bis in unsere Gegenwart hinein: nicht nur die Gründung des Staates Israel aufgrund eines Beschlusses der UN ist eine Konsequenz daraus, sondern auch die palästinensische Nakba in 1948. Ebenso wie Flucht und Vertreibung in Europa und im Nahen Osten bis hin zu den NSU-Morden, deren Täter sich klar und eindeutig in der Tradition des Nationalsozialismus begreifen und deren Verbrechen das Ziel haben, alles „Fremde” aus der deutschen Gesellschaft zu verbannen. Diese Geschichte ist geschrieben, aber die Zukunft hängt von unserem Handeln ab.
Und so ist „Zwei Minuten Stillstand“ nicht nur Gedenken und Performance, sondern auch und vor allem eine Aufforderung, die Gegenwart zu verändern. Ein Angebot für eine breite Debatte in Köln und darüber hinaus, wie aktives Erinnern heute und zukünftig aussehen sollte. Welchen Einfluss Geschichte auf die Gegenwart haben kann, was wir tun können, um unsere Zukunft aktiv zu gestalten. Ein Tag des Aufbegehrens gegen Gewalt und Ungerechtigkeit heute und morgen.

Unter dem Titel „Under the Influence“ untersucht Impulse die Bedeutung von kulturellen Identitäten, stellt die Frage nach den spezifischen Eigenheiten performativer Kunst aus dem deutschsprachigen Raum und überprüft dabei kritisch tradierte Vorstellungen von einer nationalen Kultur. In diesem Kontext ist „Zwei Minuten Stillstand“ ein politisches und gesellschaftliches Ereignis und eine soziale Skulptur, eine kollektive Performance, die sich in den öffentlichen Raum einschreibt, Ritual ebenso wie Diskurs.
Das Ziel des Projektes der Künstlerin Yael Bartana (documenta 12, 7. Berlin Biennale, Sao Paolo Biennale 2006 & 2010, Biennale di Venezia 2011 u.v.a.) ist es, im Gespräch den Menschen der Region, mit Politik und Institutionen, Industrie und Gewerbe, einen Gedenktag in Köln zu etablieren.

Eine Auftragsarbeit der Impulse Theater Biennale 2013, gefördert durch die Akademie der Künste der Welt, Köln.

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